Die Weinkolumne.

Unbestechlich und ausschließlich meine rein persönlichen Ansichten und Wertungen über Weine und deren Umfelder. Von sarkastisch bis bedeutungsschwanger, Sie werden nichts vermissen. Viel Spaß. Ihr Thomas M. Refardt

Weine aus Ligurien

Die ligurische Küste ist reizvoll, geradezu malerisch gelegen zwischen der französischen Grenze im Westen, angrenzend an das Piemont im Norden und südöstlich sich anschmiegend an die Toskana. Der ligurische Weinbau, obgleich er eine lange Tradition hat, ist selbst in Italien kaum zu bemerken. Das mag vor allem an der kleinen Menge an Weinen liegen, in guten Jahren werden lächerliche 200.000 Hektoliter produziert, das entspricht etwa 0,4 % des italienischen Gesamtvolumens.

Andererseits findet man Weine, die die Einzigartigkeit dieser Region und des Bodens, aber vor allem auch die Nähe zum Meer in eindrucksvoller Weise bezeugen. Wer beispielsweise den Weg nach Ortonovo in der Region La Spezia zu Paolo Bosoni findet, entdeckt wunderbare Weine voller Eigenständigkeit. Er und seine Familie erzeugen auf der geschichtsträchtigen Cantine Lunae, wo bereits die Römer Weinbau betrieben haben, eine fabelhafte Palette an Weinen:
Die beiden weißen Vermentino Etichetta Grigia und Etichetta Nera, zwei unglaublich frische Weine, zeigen feine Mineralität, den Duft nach Kräutern und im langen Abgang spürt man das Salz des Meeres! Auch der rote Colli di Luni Rosso Auxo, aus den Rebsorten Sangiovese, Cannaiolo und Ciliegiolo produziert, zeigt feine Frucht- und Beerenaromaten. Wer einen kräftigeren, im Barrique ausgebauten Roten sucht, ist mit dem Niccoló V. bestens bedient; diese Hommage an den Papst bietet füllige Frucht, tolle Holzaromen und unglaubliche Länge.
Ergo: ligurischer Weinbau – klein aber fein!

Thomas M. Refardt

Neueröffnung des Monats_Mai 2010


Eine neue, echte Alternative in der Bielefelder Altstadt. Frische Produkte, exzellente Köche und ein spannendes Ambiente. Ein muß für alle Liebhaber qualitativ hochwertiger Küche. numa

Bordeaux ist gut! Und muss nicht immer teuer sein.

Eines der wohl berühmtesten Anbaugebiete der Welt ist zugleich auch eines der größten. Auf etwa 100.000 ha erzeugen rund 13.000 Produzenten großartige Rotweine, vorwiegend aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Ergänzt werden diese Assemblage-Weine häufig von Petit Verdot und Cot, besser bekannt als Malbec. Die meisten Weine werden im Barrique, also im kleinen Eichenholzfass ausgebaut, was die Charakteristik der Weine prägt.
Auffällig ist allerdings die Tatsache, dass einige Weingüter ihre Preispolitik in schier ungeahntem Ausmaß nach oben zu schrauben versuchen. Diese bekannten Namen, etwa 300 an der Zahl, haben bereits mit dem Jahrgang 2000 einen preislichen Höhenflug erlebt. Und ganz zu schweigen von der Preisentwicklung mit dem Jahrgang 2005.

Dass es auch anders geht, zeigen kleinere Châteaux und jüngere Winzer. So erhält man einen schönen St. Emilion von Château du Beau Vallon der Familie Brun bereits unter zwanzig Euro, genauso wie einen herrlicher Château des Eyrins aus der Appellation Margaux für knapp dreißig Euro.
Bordeaux macht auch Spaß! Auch wenn die Flasche nicht im dreistelligen Euro-Bereich angesiedelt ist.

Thomas M. Refardt

Viele Weinkenner in aller Welt schätzen die österreichischen Weißweine, vorwiegend aus den Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling. Was hingegen gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass in diesem schönen Land auch immer mehr Rotweine mit Klasse produziert werden. Die wichtigste Rebsorte ist der Zweigelt, auch Blauer Zweigelt genannt, die erst 1922 von seinem Namensgeber Dr. Zweigelt aus Blaufränkisch und St. Laurent gezüchtet wurde.
Gerne wird Zweigelt auch mit Cabernet Sauvignon, Merlot oder Blaufränkisch als Verschnittpartner genutzt.

Auch Österreich kann rot!

Reinsortige Zweigelt-Weine wurden leider in der Vergangenheit aufgrund zu hoher Erträge häufig sehr dünn produziert. Viele Winzer haben deshalb die Erträge deutlich reduziert und bauen ihre Weine im Holzfass bzw. Barrique aus. Dann erhält man wirklich großartiger Weine.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Zweigelt 2008 vom jungen Johannes Trapl aus Stixneusiedl im Carnuntum (etwa 7 €, alle Preise ab Hof). Dieser Purist hat herrliche Noten von Pfeffer, Kirsche und Flieder; er ist ursprünglich, natürlich, echt. Ebenso erlebt man einen großartigen Zweigelt „Reserve“ 2008 von seinem ebenfalls noch jungen Kollegen Markus Huber vom gleichnamigen Weingut in Reichersdorf im Traisental (ca. 12 €). Tolle Anklänge von feinen Holznoten verbinden sich mit beerigen Fruchtaromen.

Wer noch üppigere und dichtere Weine sucht, ist sicherlich mit dem Zweigelt 2007 „Schwarz-Rot“ von Johann Schwarz in Andau am Neusiedlersee gut bedient (etwa 35 €). Ein kräftiger Vertreter mit satter Frucht und Holz, feinen Veilchenaromen und Lakritz. Nicht zu vergessen ist der Zweigelt 2005 „Ried Hallebühl“ von seinem Kollegen Josef Umathum vom gleichnamigen Weingut in Frauenkirchen (ebenfalls ca. 35 €). Der Wein ist stoffig am Gaumen und vereint auf wunderbare Weise süße Kirschfrucht und Dörrobstankläge mit feiner Extraktsüße.

Bleibt nur zu schließen: Tu felix Austria!

Thomas M. Refardt

Bilder links von oben nach unten:


www.trapl.com
www.weingut-huber.at
www.thebutcher.at
www.umathum.at

Brunello di Montalcino

Ein Wein voller Geschichte.

Einer der großartigsten Rotweine Italiens ist zweifelsohne der Brunello di Montalcino aus dem Anbaugebiet um das Örtchen Montalcino in der südöstlichen Toskana. Und dort wird seit Generationen dieser herrliche Wein produziert.

Das mittelalterliche, romantische Städtchen ist umgeben von Hügeln und Wäldern und besitzt ein spezielles Mikroklima, ebenso wie die kalkreichen Lehmböden dieser Höhenlage optimale Bedingungen für die dort vorkommende Sangiovese-Spielart (die meistangebaute Rebsorte Italiens) bieten.
Aus ihr werden gerade dort Weine von großer Eleganz, Opulenz und Fülle gewonnen, die sicherlich gerade in Sachen Charakter, Lagerfähigkeit und Prestige an der Spitze der Weinwelt Italiens stehen.
Dieser tanninreiche Rote überzeugt durch eine üppige Kirsch- und Beerenaromatik, die in delikat würzige und florale Noten übergehen.
Doch der Ruf des Brunello ist angekratzt, nachdem im April 2008 bekannt wurde, dass viele hunderttausend Flaschen unzulässigerweise mit internationalen Rebsorten, Merlot und Cabernet Sauvignon, aus Süditalien verschnitten wurden, um dem US-amerikanischen Markt gerecht zu werden. Sämtliche Flaschen wurden konfisziert und es entbrannte bei den Produzenten eine größere Diskussion darüber, ob man die Strengen DOCG-Richtlinien nicht ändern sollte. Eindeutig hat man sich mit über 90% der Stimmen dagegen entschieden. Der Brunello di Montalcino bleibt also so, wie er schon seit mehr als 150 Jahren vinifiziert wurde. Eben ein Wein voller Geschichte.


Thomas M. Refardt

Fotos: Santa Duc

Ein Hoch auf die Rhône!

Endlich ist es soweit: Der sensationelle Jahrgang 2007 an der Rhône wird endlich ausgeliefert. Und was die Rotweinfreunde dort erwartet, ist spektakulär – aber leider im eigenen Land immer noch unterschätzt (der Süden scheint weiterhin einen gewissen Dornröschenschlaf durchzumachen, obwohl er mittlerweile eine unglaubliche Dynamik besitzt!).

Dank des hervorragenden Wetters, mit dem diese spannende Region in 2007 verwöhnt wurde, kamen die Trauben im perfekten Reifezustand in den Keller und konnten somit von den Winzern optimal verarbeitet werden. Selten hat man an der Rhône einen solchen Jahrgang erlebt. Und das gilt nicht nur für die beiden berühmtesten Gewächse, Châteauneuf-du-Pape und Gigondas. Ganz im Gegenteil. Die Basis gefällt bereits und ist sicherlich in puncto Preis-/Genussverhältnis schwer zu schlagen. Dabei sind die Weine nicht gerade schlank im Alkohol, sie besitzen Gerbstoffe und viel Fruchtaromen. Füllige und opulente Beispiele, die trotzdem durch Eleganz und Raffinesse überzeugen.Erzeuger wie Guigal, Perrin, Santa Duc und viele andere mehr zeigen bereits bei „einfacheren“ Côte-du-Rhône-Weinen, welche tiefgründigen Weine hier aus einem spannenden Rebsortenspiegel (Grenache, Mourvèdre, Syrah und Cinsault u.v.m.).

Weine, die einfach Spaß machen, die getrunken werden wollen. Und die dem Konsumenten Freude bereiten. Die letztendlich zeigen, dass diese Region ganz weit vorne ist!

 

Spätburgunder für den Herbst

Pinot Noir, zu deutsch Spätburgunder oder auch Blauer Spätburgunder, gehört sicherlich zu den Rebsorten, aus denen große Weine entstehen können. Dass sich die Rebe nicht nur in Ihrer Heimat, dem Burgund, wohlfühlt und diese Region und ihre Weine weltweit berühmt gemacht hat, zeigt der Spätburgunder auch sehr eindrucksvoll in Deutschland.Mittlerweile gehören nicht nur die deutschen Pinot´s aus Baden von Erzeugern wie Bernhard Huber, Dr. Heger, Salwey oder Franz Keller zu den gesuchten Roten. Auch in der Pfalz kann man aus der Rebe herausragende und gehaltvolle Weine erzeugen. Ein schönes Beispiel hierfür ist der 2007 Spätburgunder Qualitätswein trocken vom Weingut Reichsrat von Buhl aus dem idyllischen Deidesheim.

Bei einem niedrigen Ertrag von gerade mal 40 Hektolitern pro Hektar und einer rund zehntägigen Maischegärung im geschlossenen Edelstahlgärbottich, findet der sog. biologische Säureabbau vorwiegend im großen Holzfass statt. Dabei wird die spitze und harte Apfelsäure in die weichere Milchsäure umgewandelt, auch als malolaktische Gärung bezeichnet. Anschließend, etwa ab November, erfolgt der letzte Feinschliff durch die Einlagerung des Weines für zehn Monate in kleinen Holzfässern aus französischer und pfälzer Eiche, den sog. Barrique.

 

Das Ergebnis überzeugt durch seine rubinrote Farbe, Waldaromen und Blaubeeren im Geschmack. Eine lebendige Frucht, reife Gerbstoffe und ein wunderbar langer Abgang sind dabei alle Charakteristika, die man bei dieser traumhaften Rebsorte und ihren Weinen sucht.
Und als Essensbegleiter eignet er sich zu dunklem Fleisch, Wildgerichten oder Lamm mit Rosmarin und Thymian oder einfach nur so als Solist vor dem Kamin.
Unbedingt probieren.

Thomas M. Refardt

http://www.reichsrat-von-buhl.de/